Gesetzliche Bestimmungen zu Auspuffanlagen

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Gesetzliche Bestimmungen zu Auspuffanlagen

Auch unter Euro 4 bleibt laut immer noch legal. Auspuffhersteller sorgen für den guten Klang des Motorrads

Manchmal müssen auch wir uns korrigieren. Im letzten Jahr hatten die Initiativen gegen Motorradlärm schärfere Richtlinien gefordert, gleichzeitig stand die Richtlinie UNECE-R 41.04 für den 1. Januar 2016 vor der Tür. Wir hatten dazu ein Schreckensszenario entwickelt, das sich im Licht des neuen Jahres als gar nicht so düster erweist.

Soundmanagement bleibt legal

Die gute Nachricht zuerst: Klappensysteme fürs elektronisch geregelte Soundmanagement sind nicht verboten. Sie funktionieren sogar besser als je zuvor, davon konnten wir uns in den Hallen des Auspuffherstellers KessTech überzeugen. Die schlechte Nachricht: Die neuen Richtlinien sind so kompliziert, dass ihr in der eigenen Garage gar nichts mehr machen könnt. Ihr müsst die Fertigung eurer Tüten und vor allem ihre elektronische Steuerung nun erst recht den Profis überlassen.

Und ihr müsst in einiger Hinsicht umdenken, was gar nicht so einfach für einen Schrauber der älteren Generation ist. Seit Jahrzehnten haben wir gelernt, dass für die Zulassungsrichtlinien eines Motorrades das Datum der Erstzulassung maßgeblich ist. Ein Motorrad, das vor dem 1. Januar 1962 zugelassen wurde, darf also zum Beispiel ohne Blinker fahren. Wurde das Motorrad nach dem 1. Januar 1962 zugelassen, gelten die gesetzlichen Bestimmungen, wie sie seitdem für Blinker festgelegt wurden.

Für die neuen Lärmregelungen sieht das anders aus. Hier ist das Datum der Homologation eines Motorradtyps maßgeblich. Nehmen wir zum Beispiel den Typ der Harley-Davidson Breakout, denn die befand sich zum Zeitpunkt unseres Besuchs gerade auf dem Prüfstand von KessTech. Die Break-out gibt es schon seit ein paar Jahren und es dürfte ihren Typ noch ein paar weitere Jahre geben. Da die Harley-Davidson Breakout vor dem 1. Januar 2016 als Typ zugelassen, also homologiert wurde, gelten für sie also die gesetzlichen Bestimmungen vor dem Jahr 2016, auch wenn die einzelne Breakout nach dem 1. Januar 2016 zugelassen wurde. Für die Breakout gilt also auch in den nächsten Jahren noch immer die Europäische Richtlinie 97/24.

Die neue Verordnung unter dem Titel VO 168/2013 gilt also erst für Motorräder, deren Typen nach dem 1. Januar 2016 homologiert wurden. Für eine Breakout, die Jahre später als dieser Typ zugelassen wird, gelten nach wie vor die Richtlinien aus dem Jahr ihrer Homologation. Das Datum der Erstzulassung gilt erst wieder, bis Euro 4 für wirklich alle bindend ist, denn noch kursieren Ausnahmen für Hersteller von Kleinserien und Zubehör-Hersteller.

Die vorläufige Bindung an das Datum der Homologation dürfte zu Konsequenzen in der Modellpolitik der Hersteller führen. Sie werden alte Typen möglichst lange beibehalten, wenn es zulassungsrechtlich und damit produktionstechnisch bequemer ist. Dagegen werden sie es sich dreimal überlegen, ob sie einen neuen Typ einführen, wenn der nicht wirklich die besseren Verkaufsaussichten hat.

Die Richtlinien der Geräuschmessung

Bis hierhin alles klar? Dann geht’s jetzt weiter mit der Richtlinie UNECE-R 41.04. Diese Richtlinie ist Bestandteil der neuen Verordnung und sie schreibt nun genau vor, welchen Lärm ein Motorrad verursachen darf. Sie schreibt es so genau vor, dass Umweltschützer aus den Initiativen gegen Motorradlärm sich uns gegenüber mit den Worten „scheiße kompliziert“ ziemlich kurz fassten.

Deshalb hier unsere etwas längere Erklärung. Maßgeblich sind nach wie vor zwei Messungen, die des Standgeräusches, an deren Vorgaben sich nichts geändert hat: Ein Mikrofon steht in mindestens 20 Zentimetern Höhe in einem seitlichen Winkel von 45° einen halben Meter hinter dem Auspuff des Motorrades. Nachdem der Motor auf die halbe Nenndrehzahl gebracht ist, wird der Gasgriff gelöst, um in die Leerlaufdrehzahl zurückzugehen. In diesem Zeitraum findet die Messung statt. Inzwischen ist die Nenndrehzahl auf den Typschildern moderner Harleys immer angegeben. Es ist nämlich der Hersteller, der die Höhe des Standgeräusches im Zuge der Homologation festlegt. Und überhaupt ist diese Methode verhältnismäßig einfach, auch Polizisten können sie einigermaßen vorschriftskonform in einer Kontrolle durchführen.

Kompliziert verhält es sich dagegen wirklich mit der Messung des Fahrgeräusches. Was da stattfindet, wird auch „Zielbeschleunigung“ genannt. Sie erfolgt nämlich zwischen zwei genau definierten Punkten, gemessen wird in deren Mitte. Die alte Euro 3-Richtlinie sah eine Anfangsgeschwindigkeit von 50 km/h vor, aus der im zweiten und im dritten Gang über eine Strecke von 20 Metern Vollgas gegeben werden musste. In der Mitte durften dann maximal 80 dB(A) gemessen werden.

… und jetzt kommt Euro 4

Die Messstrecke für Euro 4 ist die gleiche, und der Messwert wurde tatsächlich um ein paar dB(A) gesenkt, und zwar in den meisten Fällen auf 77 dB(A). Nur müssen hier die 50 km/h exakt auf Höhe des Mikrofones in der Messstreckenmitte anliegen. Die Toleranz liegt bei bis zu 1 km/h, langsamer oder schneller. Es muss also zuvor die Einfahrgeschwindigkeit ermittelt werden. Die Profis von KessTech haben für die BMW R1200R bereits eine Schalldämpferanlage nach dieser Norm konstruiert. Die vom Hersteller angegebene Einfahrgeschwindigkeit bei diesem Motorrad liegt bei 38,1 km/h, um beim Messstreckenmittelpunkt eine Geschwindigkeit von 50 km/h plus/minus 1 km/h zu erreichen, aber eben nur für die BMW R 1200R. Jedes andere Motorrad hat eine jeweils andere Einfahrgeschwindigkeit.

Die Frage, in welchem Gang die Strecke durchfahren werden muss, ist dabei noch nicht geklärt.

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